Marokko ist ein aufregendes Land. Ich beschreibe in diesen Post die Kultur und die Gesellschaft. Spreche über das Reichtum und die Slums.

SPIRIT OF MOROCCO – KULTUR UND GESELLSCHAFT

In den meisten fortgeschrittenen, entwickelten oder zivilisierten Ländern, scheint die Kluft zwischen der armen und der reichen Gesellschaft nicht besonders groß zu sein. Das liegt  aber nicht daran, das diese Länder sich etwa Mühe geben, diese sozialen Unterschiede bewusst verschleiern zu wollen. Ich will damit sagen, dass ein solides Sozialsystem sehr viel dazu beiträgt, die Kluften zwischen sozialen Klassen, schrumpfen zu lassen.

Marokko ist ein nordafrikanisches Land, das ziemlich oft mit dem Nahen Osten oder der “arabischen” Welt verbunden wird. Jedoch ist es eines der wenigen Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens, das keine Öl- oder Gasprodukte besitzt oder produziert. Der größte Teil seiner wirtschaftlichen Erträge stammt nämlich aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten oder dem Tourismus.

 

 

 

Grundsätzlich kann man Marokko nicht wirklich als reiches Land bezeichnen. In den letzten Jahrzehnten hat es aber sehr langsame, dafür aber stabile Fortschritte gemacht. Durch den Mangel einer starken Wirtschaft und aufgrund historischer und kultureller Unterschiede zu anderen Ländern sind die Arbeitsplätze hier knapp. Daher trennt eine gewaltige Kluft die „High Society“ zu der armen Bevölkerung, während die Mittelschicht darum kämpft, mitzuhalten und langsam zu verschwinden droht. In Marokko hat eine sehr wohlhabende Elite die Macht. Und wenn man genauer hinsieht, wird man bemerken, dass die meisten Marokkaner (Mittelschicht und die Armen) mit der Zeit einen Groll gegen die „High Society“ entwickelt haben. Dieser Groll richtet sich nicht gegen diesen allgemeinen, offensichtlichen Klassenunterschied. Nein, es geht vielmehr darum, das die reiche Gesellschaft dieses System ganz zu ihrem Nutzen kontrolliert. Sie haben nun mal den Zugang zu einem besseren Leben. Die arme Bevölkerungsklasse ist einzig und allein ein Spielball für die Elite. Die schamlos und elendig ausgenutzt wird. Diese Ausbeutung kann ganz verschieden aussehen. Sie kann in einer sehr schlechten Arbeitsumgebung, in der Abwesenheit von Rechten oder Vorteilen und der völlig unprofessionellen, in manchen Fällen sogar unmenschlichen Beziehung zwischen einem Arbeitnehmer und seinem Arbeitgeber, geschehen. Wenn man durch Marokko reist, stechen einem die Slums in größeren Städten ziemlich schnell ins Auge. Manchmal befinden sich diese auch in der Nähe einer reichen Nachbarschaft oder am Rande der Stadt. Die Regierung stellte schon vor einigen Jahren einen Plan auf, die Slums völlig verschwinden zu lassen. Daher bieten sie deren Bewohnern zwei Möglichkeiten an: entweder geben Sie den Menschen, die dort leben, Land außerhalb der Städte, damit sie dort Häuser bauen können. Oder aber sie verkaufen ihnen sehr billige Wohnungen. Einige wählten diese Option und versuchten, ihren Lebensstil zu verbessern, während andere darauf beharren, in den Slums zu bleiben. Und wie Sie wahrscheinlich wissen, gibt es eine große Korrelation zwischen Armut und Gewalt.

 

 

 

 

 

Gewalt lässt sich nicht immer auf Armut zurückführen, spielt aber offensichtlich eine große Rolle in dieser „sozialen Gleichung“. Daher sind die Gebiete rund um die Slums für Ausländer und Einheimische gleichermaßen gefährlich. Und mein Rat ist, diese Orte so gut es geht zu vermeiden.

Auch wenn das Vorhandensein von Gewalt in Marokko nicht zu leugnen ist, ist es bei weitem nicht so schlimm, wie die Medien es möglicherweise rüberbringen. Marokko ist eines der sichersten Länder in der Region. Medien neigen generell dazu, Dinge übertrieben darzustellen, ja gar aus dem Zusammenhang zu nehmen und dabei das Gesamtbild und die nötigen Fakten, völlig zu ignorieren.

Schulabbruch, Konsum und Verkauf von Drogen, hohe Kriminalitätsraten, große gesundheitliche Probleme, das alles wirft die Frage auf, wie das Sozialsystem denn in Marokko aussieht. Gibt es das überhaupt?

Die Antwort ist, ja. Es existiert. Jedoch ist diese Frage etwas kompliziert zu beantworten, da es in gewisser Weise ein Sozialsystem gibt, aber nicht jeder gleich berechtigt ist, davon auch zu profitieren. Das Gesundheitssystem ist etabliert, aber nicht alle Menschen sind gedeckt. Selbst wenn Leute aus ärmeren Verhältnissen in eine Situation kommen, wo sie medizinische Hilfe benötigen, ist das System schmerzhaft starr. Sie müssen bereits viel im Voraus bezahlen und bekommen nur einen kleinen Teil davon wieder zurück. Viele Menschen besitzen bei weitem nicht das Geld und werden somit gezwungen, so gut wie möglich mit ihrer Krankheit umzugehen. Das bedeutet, dass Menschen, die an psychischen Krankheiten leiden, in der totalen Abwesenheit von Obdachlosenheimen oder effektiven Sozialdiensten die Straßen unsicher machen. Das wäre ein Denkanstoss zur Gefährlichkeit in Marokko.

 

 

 

Zusammenfassend ist der Unterschied zwischen der armen und reichen Gesellschaft in Marokko sehr offensichtlich. Schuld daran ist dieses System, das schon vor Jahrhunderten in Marokko eingeführt wurde. Ein korruptes System, das für den Vorteil der Reichen arbeitet und es steht uns allen noch ein sehr langer Weg bevor, bis sich das eines Tages ändern wird.

Viele Marokkaner hoffen darauf. Sie hoffen auf eine ganz andere Realität. Eine Realität, in der Reiche und Arme gleichermaßen vom Sozialsystem unterstützt werden. Ganz egal, wer du bist oder welchen Geburtsstand du hast. Menschenrechte brauchen wir.

Dieser Text stützt sich auf die Antworten zwei guter marokkanischer Freunde. Danke Ayoub und Said! Danke für die unvergesslich Zeit und die viele gemeinsame Erinnerungen. Ohne euch wäre Marokko nicht zu dem Marokko geworden, was ich so zu lieben gelernt habe. 

Fotos & Text  © Lisa-Marie Lehner

 

 

 

 

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