MEHDI

Menschen, die in Casablanca, in Slums leben, sind nicht unbedingt arm. Viele von ihnen leben hier, weil sie es wollen. Es ist billiger, es ist zentral. Wie du siehst, besitzen einige sogar ein Auto.</p> <p>Das Problem ist nur, dass ihnen das Grundstück nicht gehört. Somit versucht die Regierung, sie durch Zerstörung der Häuser zu verjagen. Natürlich auch dem Tourismus zuliebe, die Bauten der Slums sind nun mal hässlich.</p> <p>Sie zerstören zwar die Häuser der Menschen, bieten ihnen aber auch andere Wohnmöglichkeiten außerhalb der Stadt an. Viele der Leute, die hier wohnen, wollen das aber nicht. Hier wohnen sie zentral, es gibt genügend Geschäfte und der Strand ist auch in der Nähe.</p> <p>Casablanca hat seit geraumer Zeit mehr Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Sprich, es gibt mehr Polizisten und Aufsichtspersonal in den Straßen. Man muss nicht Angst haben, dass etwas gestohlen oder Gewalt ausgeübt wird. Das passiert hier kaum.</p> <p>Ziel ist es, Casablanca wieder viel beliebter und attraktiver für Touristen zu machen.

AASMA

„Und du, bist du verheiratet?“</p> <p>„Nein,“ sage ich. „Ich bin 19 Jahre alt.“</p> <p>„Oh, du bist noch so jung,“ sie lächelt mich freundlich an. Ihre Augen sind warm.</p> <p>„Frauen haben es nicht wirklich leicht hier, in Marokko.</p> <p>Vor allem diejenigen, die arbeiten müssen.“</p> <p>

Marokko.Yoga, Leben, Lebenseinstellung, Buch, Veränderung

AYOUB

Das Buch „Freedom from the known“ von Jiddu Krishnamurti, hat mein Leben definitiv verändert.<br /> Ich denke, die Art und Weise, wie es mich veränderte, ließ mich verstehen, dass es vollkommen in Ordnung ist, Fragen zu stellen und sich über die subjektive Realität der Dinge zu wundern. Noch dazu, zeigte es mir wie wichtig es ist – oder vielleicht ist es sogar das Wichtigste überhaupt – dass jeder bewusst lebende Mensch, aktiv seine eigene „Wahrheit“ suchen sollte. Es ist quasi wie ein Katalysator, der einen kompletten Perspektiven Wechsel ausgelöst hat. Bevor ich die Dinge zu hinterfragen begann, war ich nicht daran interessiert meine eigenen Überzeugungen und Gedanken in Frage zu stellen. Man hätte mich als konformistisch bezeichnen können, denn mein damaliges Wissen basierte im Grunde nur auf dem, was mir die Gesellschaft vorlebte.</p> <p>Auf der einen Seite, gibt es die „faule“ Art zu denken. Diese ist eigentlich die Norm heutzutage (sprich überall auf der Welt). Die Menschen stellen die Dinge nicht in Frage, sie entscheiden sich stattdessen, der Meinung ihres Umfeldes blind zu vertrauen. Diese Art von Denken kann gefährlich sein, da die Leute oft keine anderen Meinungen tolerieren. Meinungen, die sie herausfordern und sie somit zwingen ihre Gewohnheiten zu verlassen, meine ich damit. Auf der anderen Seite gibt es die „Wahrheitssucher“. Menschen, die aktiv nach Dingen suchen, die lange Zeit als Prinzipien des Lebens betrachtet wurden. Sei es Ideologien oder einfach nur Standards, denen die Gesellschaft folgen soll. Die Wahrheit ist in diesem Fall subjektiv – sprich was einige Leute also für wichtig halten, könnten andere wiederum als überholte Dogmen sehen, die vor langer Zeit verschwinden mussten. Der große Unterschied zwischen dieser Art des Denkens im Vergleich zu vorherigen ist, dass jeder selbst die Verantwortung trägt, seine eigene Bedeutung in den Dingen zu finden. Aktiv überall nach seiner „persönlichen Wahrheit“ zu suchen. Jeder hat die Pflicht, sich neutral gegenüber Neuem und Fremdem zu verhalten, ohne sich eine vorgekaute Meinung darüber zu bilden. Es geht darum sich zu bemühen den inneren Wert der Dinge zu untersuchen – über diesem man sich später eine eigene subjektive Meinung bilden kann. Du beginnst nicht mit einer bereits etablierten Idee, die versucht, ihre Wahrheit zu beweisen. Nein, vielmehr nimmst du alles unvoreingenommen an und gehst seiner Wahrheit selbst auf den Grund. Deine Werkzeuge sind in diesem Fall Skepsis und rationales Denken.

JESSICA

Ich habe meine Yoga Lehrer Ausbildung in meinem letzten Schuljahr absolviert. </p> <p>Die Leute haben mir gesagt, dass dafür zu jung sei und es nicht Verstehen würde. Ja, es stimmt auch – ein Mangel an Reife, kann es einem wirklich schwer machen, jede Art von Philosophie wirklich zu verstehen. </p> <p>Zwei Jahre später, fand ich mich selbst in Los Angeles wieder. Ich fühlte, dass ich eine Weile von Zuhause wegmusste. Der Grund dafür war mein Freund. Mein Freund, der mich zutiefst missbraucht hatte. </p> <p>Ich war alleine und komplett zerbrochen in einem fremden Land. Er hat mir so viel gestohlen. Physisch. Mental. Sexuell. </p> <p>Diese schwierige Situation, ließ mich in kürzester Zeit so schnell und stark wachsen. Ich denke, dass dies für Menschen, welche selbst noch nie in so einer Situation waren, schwer nachvollziehbar ist. Nichtsdestotrotz, diese Situation, dieser Schmerz, hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. </p> <p>Noch dazu, hab ich dadurch viel mehr Yoga gemacht und gelernt, es aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Yoga und das Meditieren, waren zwei Dinge die mich in dieser Zeit aufrecht erhielten. </p> <p>Ja, in meinem letzten Schuljahr hatte ich eine sehr durchwühlende Zeit, anderseits, wäre nicht alles so gekommen – wäre ich nicht an dem Punkt wo ich heute bin. </p> <p>Ich unterrichte und mache Yoga aus voller Leidenschaft, weil ich dadurch meine Energie mit anderen Leuten teilen kann. Und das macht mich unglaublich glücklich.

SAID

Je älter ich wurde, umso lauter wurde eine innere Stimme in mir. Es war eine Stimme, die alles zu hinterfragen versuchte und sich überraschenderweise rein auf die Essenz unseres „Seins“ konzentrierte.</p> <p>Nicht zu akzeptieren, dass man ein absurdes Leben führt, fordert uns auf, nach gewissen Antworten zu suchen.</p> <p>Diese Antworten können je nach Überzeugung und Perspektive der jeweiligen Person variieren und ich persönliche glaube, dass niemand eine absolute Wahrheit besitzt. Diese Erkenntnis regte mich dazu an, mich auf eine Suche nach Leben und Selbstentdeckung zu begeben.</p> <p>Es geht gar nicht mal darum, einzig und alleine die Wahrheit zu suchen, sondern vielmehr einen Weg zu finden, wie man an einem Ort voller Ungewissheiten am Besten weiterleben kann.

NICOLE

Am 16. Oktober 2017 bin ich in das Flugzeug gestiegen, um ehrenamtlich in Tanger, Marokko als Krankenschwester zu arbeiten. Ich war glücklich endlich etwas alleine durch zuziehen aber ehrlich gesagt, hatte ich riesige Angst. Zum ersten Mal so lange weg zu sein von zu Hause, von der Familie, Freunden und dem Freund. Was erwarten die Marokkaner von mir? Kann ich mich im Krankenhausalltag richtig einbinden? Habe ich das Richtige getan? Und meine größte Angst: werde ich alleine sein? Aber mit keiner Sekunde habe ich diese Entscheidung bereut, in dieser Stadt zu leben, die erst abends erwacht und laut, chaotisch und einfach wunderschön ist. In dieser Zeit habe ich so viel gelernt und mich noch nie so frei gefühlt, frei von den ganzen Erwartungen. Ich konnte mich neu definieren, es war niemand da der mich kannte. Ich konnte eine bessere Version von mir werden oder zumindest eine glücklichere. Ich habe das Gefühl, ich habe in diesen vier Monaten in Marokko mehr über mich gelernt, als jemals zuvor und mich so gut gefühlt, deswegen bekam ich Panik, als ich wieder zurück in Deutschland war. Meine Fortschritte, die ich die letzten Monate gemacht habe, verschwinden mit jedem Tag, den ich in meinem alten Leben verbringe. Erwartungen, die erfüllt werden sollen. Das ständige Gefühl, man müsste sich wieder einfügen und das so sein wie damals, bevor man gegangen ist. Und ganz ehrlich, das will ich nicht. Ich versuche ein wenig von diesem wundervollen Land mitzunehmen, aber ich glaube die meisten Menschen gönnen einem so etwas nicht. Eine Erfahrung zu machen, die einen so weit bringt, während die anderen immer noch jeden Tag dasselbe tun und unzufrieden sind. Denn wir vergleichen uns, mit jedem und hoffen insgeheim man hat immer das aufregendere Leben. Aber ich habe gelernt auf mich zu hören und ich habe eindeutig ein zweites Zuhause gefunden. Erstaunlich, wie schnell man sich in einem anderen Land so wohlfühlen kann. Diese Zeit werde ich für immer in meinem Herzen tragen, denn jeden Tag denke ich an Marokko und ich nehme an, ein Teil von mir wird für immer dort bleiben.